«Hybrid-Bauten liegen im Trend.»
Mit Architekt Jürgen Becker im Gespräch
Jürgen Becker, Inhaber der Becker Architektur AG in Vaduz, steht für Fragen über Hybrid-Bauten zur Verfügung. Er hat sich in Malbun den Traum vom eigenen Ferienhaus realisiert – in Hybrid-Bauweise.
Jürgen Becker, was versteht man unter einem Hybrid-Bau?
Meist handelt es sich um eine Kombination aus Holzbau und Beton. Es können aber auch andere Materialien gemeinsam verwendet werden, etwa Backstein oder Metall.
Welche Vorteile bringt ein Hybrid-Bau?
Gewisse Elemente werden durch andere Materialien gezielt verstärkt. Beim Holz-Beton-Hybrid übernimmt Beton beispielsweise Aufgaben in der Statik oder bei Decken. Auch Schallschutz oder Speichermasse lassen sich so optimieren. Im alpinen Raum kann etwa der Lawinenschutz ein entscheidender Faktor sein
In letzter Zeit scheinen Hybrid-Bauten im Aufwind zu sein.
Ja, das stimmt. Hybrid-Bauten sind momentan sehr gefragt, insbesondere im Mehrfamilienhausbau. Dieser Trend ist auch in der Architektur-Wettbewerbs-Szene erkennbar.
Ist das reine Geschmackssache?
Keineswegs. Die Vorteile der Hybrid-Bauweise lassen sich auch ökologisch begründen. Man kann unterschiedliche positive Eigenschaften kombinieren. Holz wirkt freundlich und warm und speichert CO2, während Beton für Tragwerk und Statik ideal ist.
Nun zu Ihrem Bauwerk in Malbun. Sie haben ein älteres Holzchalet übernommen und dann abgerissen. Welches waren Ihre Überlegungen?
Die bestehende Bausubstanz war in einem schlechten Zustand. Es machte keinen Sinn, in das bestehende Gebäude zu investieren, da die Nachhaltigkeit nicht gegeben war. Daher habe ich mich für einen Totalabbruch und in der Folge für einen Neubau entschieden.
Wie sind Sie vorgegangen?
Mein Ziel ist es, ein Ferienhaus in den Bergen zu realisieren, kein Luxusobjekt. Eine Grossfamilie mit Kindern sollte für mehrere Generationen darin leben können. Ich meine, das ist mir gut gelungen.
Welches Besonderheiten zeichnen das Haus aus?
Aussergewöhnlich ist, dass die Wohnräume oben liegen und sich die Schlafräume im Erdgeschoss des dreigeschossigen Gebäudes befinden. Entsprechend der Bauvorschriften in Bezug auf die Lawinensicherheit habe ich aus der Not eine Tugend gemacht. Bei den Schlafzimmern im EG gibt es nur kleine Fenster, im obersten Stock, den wir bis unters Dach ausgenutzt haben, gibt es hingegen ein Panorama-Fenster gegen das Sareiserjoch und gegen das Täli eine gedeckte Loggia.
Gibt es weitere Besonderheiten?
Ja. Ich finde Schindeln ein faszinierendes Produkt. Entsprechend habe ich das Haus mit Lärchen-Schindeln gedeckt und bei der Fassade kamen Weisstannen-Schindeln zum Einsatz. Beheizt wird das Gebäude mittels Erdsonde sowie mit einem speziellen Kachelofen aus keramischen Platten, der mitten im Wohnraum steht.
Wie hat die Zusammenarbeit mit der Hilti AG BauUnternehmung und mit der Legna holz.werk AG funktioniert?
Es hat alles bestens geklappt. Die Zusammenarbeit war professionell, zielorientiert und partnerschaftlich. Und wenn es einmal Schwierigkeiten oder Unklarheiten gab, wurde offen miteinander gesprochen.
Ich spüre, sie sind zufrieden mit Ihrem Ferienhaus?
Ja. Ich bin tatsächlich begeistert und freue mich auf viele schöne Jahre in unserm Malbun!
Welchen persönlichen Bezug haben Sie zu Malbun?
Ich kenne Malbun schon von Kindsbeinen an. Hier haben wir unter anderem Skifahren gelernt. Einer der schönsten Flecken in den Alpen! Ich habe herausgefunden, dass es auf der Büala, wo unser neues Haus steht, nochmals anders ist als im Zentrum. Ob man es glaubt oder nicht, das Wetter ist wenige hundert Meter weiter hinten anders, oft schöner, als vorne. Im Winter von der Zufahrt abgeschnitten zu sein, ist eher ein Vorteil als ein Nachteil.
Fachbegriffe verständlich erklärt:
Holzbau
Ein Holzbau ist ein Gebäude, bei dem Holz als tragender Hauptbaustoff für statische Bauteile eingesetzt wird. Dazu gehören insbesondere tragende Wände, Stützen und Träger, Decken und Dachkonstruktionen.
Entscheidend ist nicht, dass ausschliesslich Holz verwendet wird, sondern dass das Tragwerk überwiegend aus Holz besteht.
Abgrenzung zu anderen Bauweisen
Typische Holzbauweisen sind Holzrahmenbau / Holzständerbau, Holzskelettbau und Massivholzbau (z. B. Brettsperrholz oder Brettschichtholz)
Hybridbau
Ein Hybridbau ist ein Gebäude, bei dem mindestens zwei unterschiedliche Baustoffe gezielt im Tragwerk kombiniert werden, um deren jeweilige Stärken optimal zu nutzen. Typischerweise werden Materialien wie Holz, Beton und Stahl so eingesetzt, dass sie jeweils dort wirken, wo sie konstruktiv, bauphysikalisch oder wirtschaftlich am sinnvollsten sind.
Im Gegensatz zum reinen Holz- oder Massivbau besteht das Tragwerk beim Hybridbau nicht überwiegend aus einem einzigen Baustoff, sondern aus einer funktionalen Kombination mehrerer Materialien.
Charakteristische Merkmale
Typische Beispiele sind etwa Betonkerne oder -decken in Kombination mit Holzdecken und -wänden, Massivholz-Aussenwände auf Betonuntergeschossen oder Holztragwerke mit Stahlverbindungen oder Stahlstützen.